Brief von Dr. Annemarie Neumann-Kleinpaul aus Düsseldorf


L
iebe Hochlandrinder-Liebhaberinnen und –Liebhaber in der Schweiz,

haben Sie sich schon einmal gefragt, welche Highlander das Vereins-Emblem der Highland Cattle Society Schweiz zieren? Ja richtig, es sind dieselben wie auf meiner Visitenkarte oder, besser bekannt, auf meiner Anzeige im Highland Cattle Journal der Züchter in Deutschland.

Auf der Suche nach einem guten Motiv für meine Werbung probierte ich einfach mal mit einem Foto meiner Tiere herum, dass ich an einem Steilhang meiner "Hubbelrather Highlands" in Düsseldorf gemacht hatte. Anfangs benutzte ich eine Faxkopie davon, so dass ein Schwarz-Weiß-Bild, beinahe wie ein Scherenschnitt, entstand. Später verwendete ich für die Anzeigen doch wieder das Originalfoto, farblich etwas rot verfremdet.

Nun, darf ich vorstellen?

Die alte Dame links außen mit dem gewaltigen Gehörn ist Mollaig 4th of Glenquoich, eine damals noch lebende Original-Schottin, von Knut und mir selbst nach Düsseldorf gekarrt. Mollaig brachte Siegerinnen-Töchter hervor, und auch ihre Enkelin ist wunderschön und ziert das Deckblatt eines unserer Journale.

Etwas im Hintergrund versteckt sich daneben Abigail vom Rodeberg, frühreifes Mädchen, die im Alter von 6 Monaten erfolgreich von ihrem 9 Monate alten Halbbruder und Cousin Guiness vom Rodeberg gedeckt wurde. Die Tochter daraus, ein "Hündchen" bei der unerwarteten Geburt, entwickelte sich prächtig und gewann mit ihren neuen Besitzern so manche Rasseschau. Auch die Mutter erholte sich erstaunlich schnell von der zu frühen Mutterschaft, blieb sozusagen süchtig nach Kälbern, indem sie alle 10 Monate wieder kalbte.

Als nächstes folgt, in der Mitte und selbstverständlich auch im Lebensmittelpunkt der Herde, der damalige Chef, Glen vom Rodeberg, Vater vieler hübscher Töchter und anerkannter Herdenbullen. Er ist kein wirklicher "vom Rodeberg", weil nicht selber gezogen, heißt aber so, weil er von mir ins Schottische Herdbuch aufgenommen wurde. Er war so lang, dass er auf keinem Pferdehänger Platz fand, als er zur Zucht zurück in die Herde ging, in der er aufgewachsen war.

Alice 2nd of Glenquoich, wie ihre Tochter Abigail auf dem Foto etwas zurück stehend, auch persönlich bei Major Gordon, Lude, Blair Atholl abgeholt, tat sich zunächst schwer mit dem Kinderkriegen. Ein Jahr lang wurde sie sozusagen fruchtlos künstlich besamt. Das wollte nicht klappen, obwohl der Besamungstechniker immerhin rote Haare hatte. Danach kam Alice aufs Land in die Gegend um Frankfurt zu einem netten roten Bullen namens Poldi. Den aber schien sie auch nicht zu mögen. Nun gut, dachte ich, als ich sie zurückholte, jetzt ist Sommer, Futter wächst auf der Wiese und der eigene Bulle Guiness ist alt genug. Versuchen wir es noch einmal, bevor wir den Metzger bestellen. Diese Drohung hat genützt, und Guiness hat sich außerdem durchgesetzt. Die erste Alice-Tochter heißt deshalb "Amnesty", weil sie ihre Mutter vor der Tiefkühltruhe bewahrt hat.

Rechts außen steht noch die bezaubernde Cillie von der Ostert, die einzige Blonde auf meiner Wiese. Sie war bildschön und ein Wunschkauf meines Mannes, hatte aber nichts zu sagen in der Herde. Da nach wie vor Rot meine Lieblings-Highlander-Farbe ist, habe ich eines Tages dem Kaufbegehren Dietrich Klosners nachgegeben.

Die Tiere dieser Silhouette leben nicht mehr, aber da ich alle meine Tiere (bis auf Cillie und die Herdenbullen selbstverständlich) aus den Original-Schottinnen herausgezüchtet habe, erkenne ich ihre Gesichter und manche ihrer Eigenheiten in ihren Nachfahren wieder und werde so täglich an sie erinnert.

Am Anfang, muss ich gestehen, war ich ein bisschen vergrätzt, dass die Schweizer sich "meine Tiere unter den Nagel gerissen" haben. Inzwischen aber, nachdem ich ein paar nette Stunden auf einer schweizerischen Bundesschau verbracht habe, bin ich auch ein bisschen stolz, dass Sie meine Tiere schön genug fanden, Ihre Berge drum herum zu malen. Das verbindet.

Mit freundlichen Grüßen von Weide zu Weide

Annemarie Neumann-Kleinpaul